Garmin Cycling Dynamics

Wie im August 2014 angekündigt hat Garmin mit Ende 2014 seine Cycling Dynamics veröffentlicht. Um in den Genuss der neuen Kenndaten zu kommen, muss man beidseitige Garmin Vector Leistungsmesspedale mit zumindest Firmware 2.70 verwenden sowie entweder einen Edge 1000 (ab v2.70), Edge 810 (ab v3.40) oder Edge 510 (ab v3.40) zum Aufzeichnen der Daten.

Folgende zusätzliche Kennzahlen stehen dann zur Verfügung

  • Power Phase (PP): Gibt an in welchem Bereich (in Grad) einer Pedalumdrehung eine positive Kraft auf die Pedale ausgeübt wird.
  • Peak Power Phase (PPP): Gibt den Bereich (in Grad) an in welchem ein einstellbarer Prozentsatz (Default: 50%) der gesamten Leistung einer Pedalumdrehung produziert wird.
  • Platform Center Offset (PCO): Gibt (in mm) an wo man auf dem Pedal Kraft ausübt.
  • Stehend vs. Sitzend: Gibt an, ob die Leistung im Stehen oder Sitzen erbracht wird. Noch nicht veröffentlicht.

Die Kennzahlen stehen als neue Datenfelder auf den oben angeführten Edge Geräten zur Auswahl und können beliebig in Anzeigeseiten eingebaut werden. Auf dem Edge 1000 gibt es eine eigene Cycling Dynamics Seite, die in den Einstellungen aktiviert werden kann und die Werte grafisch etwas netter aufbereitet:

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Cycling Dynamics Seite am Edge 1000

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Leistungsphasenspitze (PPP) wird in den Pedalen fix hinterlegt und daher auch in den Vector Sensor Einstellungen geändert. Praktischerweise kann man jetzt auch die Montagewinkel direkt über den Edge zurücksetzen und braucht dazu nicht mehr die Batterien beider Pedale entfernen und wieder einsetzen.

Ausserdem werden die Werte in den Zusammenfassungen&Protokollen auf dem Edge  angezeigt sowie auch in den hochgeladenen Aktivitäten auf Garmin Connect (Screenshots siehe unten).

Was macht man nun mit den Kennzahlen?

Zunächst einmal anschauen. Unten sind Garmin Connect Screenshots von 3 unterschiedlichen Einheiten inkl. Kommentar.

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Grundlageneinheit 2h mit 240 Watt. PCO: 9mm/-2mm. PP: 210/240. PPP: 44/48
Links setze ich deutlich weiter aussen auf als rechts (PCO). Rechts drücke ich in Summe 30 Grad länger auf das Pedal (PP), der Großteil der Kraft wird aber im gleichen Bereich und gleich lange (PPP) produziert. Wenig Veränderung während der Einheit.

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SST 60min mit 303 Watt. PCO: 8mm/-3mm. PP: 221/249. PPP: 44/48.
Sehr ähnliches Bild wie bei der Grundlageneinheit oben. Man sieht es hier am Bild nicht so gut, aber mit Fortdauer der Einheit (= Ermüdung) wandert der Druck am Pedal nach aussen und der Tritt links wird etwas runder (Power Phase beginnt früher), aber rechts ist immer noch wesentlich gleichmässiger.

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Stufenleistungstest bis zum bitteren Ende bei ca. 460W. PCO: 8mm/-1mm. PP: 212/226. PPP: 45/49.
Hier am Graph nicht zu sehen, aber die Kadenz ist während des Tests von 90 auf 105 gestiegen. Deutlich erkennbar der Versuch die maximal notwendige Kraft nicht steigen zu lassen um die langsamen, schwächeren dafür ausdauernderen Typ 1 Muskelfasern weiter nutzen zu können. Kadenz steigt, Druckphase (PP) nimmt zu. Interessant, dass über der Schwelle (ab ca. 27-28min) die Druckphase links auf das Niveau von rechts steigt. In den letzten 2 Minuten erfolgt noch einmal eine Flucht hin zu anderen, bisher verschonten Muskelgruppen. Der Druck am Pedal wandert nach aussen (O-Beine) um – vermutlich – den Vastus Lateralis mehr ins Spiel zu bringen.

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SST – 60min mit 304 Watt mit runden Kettenblättern. PCO: 11mm/-4mm, PP: 229/239, PPP: 51/48.
Vergleich Rotor-QRings (alle Einheiten oben) mit Standard Rings (diese Einheit) liefert ein überraschendes Ergebnis: PowerPhase beginnt mit runden Rings früher und dauert dadurch insgesamt länger als mit Q-Rings. PPP ist ebenfalls etwas länger und der Wert für „Gleichmässiges Treten“ ist bei runden Kettenblättern ebenfalls höher. D.h. dass (bei mir) die Leistung bei runden Kettenblättern während einer Pedalumdrehung gleichmässiger verteilt ist als bei Q-Rings. Eigentlich hätte ich genau das Gegenteil erwartet.

Gemeinsam mit den bereits vorhandenen Daten Leistung, Kadenz, L/R Verteilung, gleichmässiger Tritt und Drehmomenteffektivität stehen Vector Eigentümern nun eine Fülle an Daten zur Verfügung. Allein die Leistung und daraus abgeleitete Kennzahlen (FTP, NP, TSS, …) füllen schon ganze Bücher und Internetseiten. Zu den vor ca. 1-2 Jahren (mittlerweile von mehreren Leistungsmesserherstellern angebotenen) L/R Verteilung, gleichmässiger Tritt und Drehmomenteffektivität gibt es noch so gut wie keine brauchbaren Studien, Untersuchungen oder Tipps zur Nutzung. Nicht einmal der naheliegende Versuch die L/R Verteilung auf 50/50 auszugleichen, ist in der Praxis sinnvoll – eher das Gegenteil ist der Fall. Wozu also das Ganze?

Zunächst einmal ist es natürlich Marketing. Je mehr Features, umso eher wird ein Produkt gekauft. Je mehr unique Features, die niemand anders anbietet, umso besser. Eine valide und verständliche Taktik, die Garmin aus kaufmännischer Sicht verfolgt und verfolgen muss.

Für uns als Anwender bleibt die Hoffnung, dass sich schlaue Köpfe mit den Kennzahlen beschäftigen und die gewonnenen Erkenntnisse mit uns teilen. Neben Bikefitting (z.B. PCO einstellen, Power Phasen auf beiden Beinen angleichen) gibt es sicher auch Anwendungsbereiche für Physiologen (z.B. Bestimmung Muskelfaserzusammensetzung) oder Trainer (z.B. Frühzeitige Erkennung von Ermüdungen. Training bestimmter Muskelgruppen. Erkennung von Schwächen eines Fahrers im Vergleich zu anderen).

Bis es so weit ist, kann man nur Daten sammeln und vergleichen und versuchen sinnvolle Schlüsse zu ziehen. Ich werde das mit meinen tun, wer seine Daten oder Erfahrungen ebenfalls bereitstellen will, der kann das gerne hier als Kommentar tun.

28 comments

  1. Lassimo

    Hallo Jürgen,

    wie immer eine Freude von Dir zu lesen.

    Zum Thema PCO halte ich mich vorerst heraus, habe noch nicht durchblickt, was man damit anfangen kann.

    Zum Thema Power Phase habe ich aber eine ganz klare positive Meinung.
    Hierzu kurz eine Beschreibung meiner bisherigen Erfahrungen.

    Nach ca. 10 Jahren SRM kam Anfang 2014 der Umstieg auf den Vector.
    Nachdem einige Kinderkrankheiten ausgestanden waren, läuft er ganz zuverlässig.

    Von der ersten Einheit an fiel mir eine deutliche Linkslastigkeit in der Leistungsabgabe auf.,
    Verhältnis ca. 58/42 im Schnitt.

    Ich fragte mich damals, ob es sinnhaft wäre, dies gezielt auszugleichen.
    Schon nach wenigen Tritten fühlte es sich „falsch“ an auf 50/50 zu zielen.
    Habe es immer wieder kurz eingestreut und dachte, es würde dauern sich koordinativ umzustellen. Über Wochen tat sich unter dem Strich nichts.
    Daher akzeptierte ich diese Asymmetrie und machte mir auch weiter keine Gedanken.

    Dann habe ich im September 2014 noch das Update aufgespielt, dass torque efficiency und pedal smoothness auf dem Edge darstellbar machte.
    Ich kombinierte eine Trainingsseite wie folgt:

    Balance L/R %
    torque efficiency L/R %
    pedal smoothness L/R %

    Schon bei der ersten Einheit auf der Rolle sahen die Zahlen im Schnitt in etwa so aus:

    Balance 55/45 %
    torque efficiency 85/75 %
    pedal smoothness 28/22 %

    Mein Rückschluss war, dass mein natürlicher Tritt also nicht unbedingt linkslastig von der erbrachten Leitung her war, sondern schlicht weniger effektiv.
    Absolut gesehen bringt das linke Bein also 10% mehr als das rechte im Ergebnis.
    Allerdings ist dieser Unterschied genau gleich mit dem Absolutunterschied der Effektivität.
    Wie kommt dieses zu Stande?

    Ich stieg etwas tiefer ein und stellte fest, dass die torque efficiency eine tolle Sache ist.

    Link
    https://sites.google.com/site/dcrainmakerblog/Home/TorqueEffeciency.JPG

    Sie gibt integral an, wie viel nicht positives Drehmoment man erbringt. Dies ist unabhängig davon, ob man auf dem ganzen Pedalkreis Kraft einleitet.

    Formel: TE = 100 * (P+ + P-)/P+

    Wird P- gleich 0 ist TE=100%

    Ganz gleich wie man es verteilt über die 360 Grad einer Umdrehung, man erreicht 100%, wenn man niemals eine negative Kraft einleitet.

    Meine Hypothese war also: Mit deinem rechten Bein arbeitest du irgendwo mit negativer Kraft gegen das linke.

    Ich habe dann viel auf der Rolle probiert, insbesondere einbeinig Treten, bestimmte Kreissegmente betonen beim Treten usw.

    Und siehe da, ich fand den toten Winkel!

    Rechtes Bein hinten rechts, ca. von 190° bis 210° schätze ich damals ab.

    Dann fing ich an auf der Rolle bewusst mit dem rechten Bein in diesem Segment zu arbeiten.
    Der Effekt war grandios! Fast mühelos konnte ich durch leichte Variation der Trettechnik, ohne an mein linkes Bein auch nur zu denken, die Balance komplett ausgleichen!

    Der Edge gibt dann dies aus:

    Balance 50/50 %
    torque efficiency 85/85 %
    pedal smoothness 28/27 %

    Ich hatte eine Totzone gefunden und damit erklärte sich auch rückwirkend der Unterschied in der pedal smoothness (Link: https://www.cyclinganalytics.com/blog/2014/04/torque-effectiveness-and-pedal-smoothness)

    Diese gibt an, wie gleichmäßig die Kraft eingeleitet wird über Pavg / Pmax *100

    Da mein rechtes Bein auf einem kleineren Winkelabschnitt arbeitete, habe ich es mit einer höheren Pmax ausgeglichen, Folge → weniger smoothness.

    Jetzt hat der Edge mit Cycling Dynamics mir dies alles nochmal winkelaufgelöst bestätigt.
    Mir fehlen quasi ~20° hinten rechts.

    Ich konnte aber schon vorher über die torque efficiency daran arbeiten, jetzt evtl. noch gezielter.
    Durch gezieltes Motoriktraining habe ich das Ganze in den letzten Wochen deutlich verbessern können und vermeide es nun offenbar fast ganz, negative Kraft einzuleiten.

    Fazit:
    Ob ich damit wirklich ein paar Watt gefunden habe weiß ich nicht, in den Beinen und besonders auch im Kopf fühlt es sich aber absolut richtig an. Durch die exakten Winkelangaben durch Cycling Dynamics kann dies eventuell noch weiter optimiert werden. Es bleibt spannend.

    VG
    Lassimo

    • Jürgen Pansy

      Interessante Erfahrungen.
      Torque efficiency(TE) und Pedal Smoothness (PS) waren bei mir bei den oben angeführten Einheiten wie folgt:

      Grundlage: TE 86/86, PS 27/27, L/R 48/52
      SST: TE 87/88, PS 28/28, L/R 48/52
      MAP: TE 81/81, PS 26/26, L/R 49/51

      Und weil TE und PS bei mir links und rechts immer gleich waren und sich auch immer in einem ähnlichen Bereich bewegten (+/- einige wenige Prozentpunkte), habe ich sie mir bisher noch nie genauer angesehen. Anhand der neuen PP und PCO Werte sieht man doch recht deutlich, dass es Unterschiede im Tritt zwischen links und rechts gibt und kommt vielleicht meiner Leistungsdifferenz eher auf die Spur.

      • kurti

        Hallo Jürgen,

        Von Deinen Werten (Drehmomenteffizienz und Smoothness) und bin schwer beeindruckt, wie effizient Du selbst bei L2-Einheiten Rad fährst. Von solchen Werten träume ich.
        Bei mir sehen die Zahlen so aus:
        Grundlage: TE 70/68 ; PS 22/20 ; L/R 51/49
        V2Omax: TE 87/85 ; PS 26/25 ; L/R 51/49
        Laut wko4+ (pedal metrics) absorbiere ich so in der Grundlage 35 bis 40 W jeweils auf beiden Beinen (also bis 80W !!!) , in L5-Intervallen sind es dann zwischen 20 und 25W (immerhin noch 50W), wo ich quasi mit dem entlasteten Bein auf das Pedal drücke.

        Genau wie Du habe ich bei Tests festgestellt, das man bei runden KB bessere Werte hat als mit Q-Rings. Die QXL habe ich auch getestet, die lieferten die schlechtesten Werte. Aus meiner Sicht aber nicht überraschend, da die Zone wo man eh schon die meiste Kraft auf das Pedal bringt durch die Ovalität unterstützt wird und man durch die Totpunkte deutlich leichter durchtritt und man dort weniger Druck auf das Pedal bringt. Daher auch PS schlechter.

        Zur zeit fahre ich wieder runde KB und versuche meinen Tritt jetzt im Herbst zu optimieren. Habe schon in mehreren Ausfahrten versucht, meine Bewegungen beim kurbeln Beine zu optimieren, dies gelingt mir aber nur, wenn ich mich jeweils auf ein Bein konzentriere. Dann ist das andere Bein jedoch noch ineffizienter.

        Hast Du da vielleicht noch Tipps für mich, wie ich meine Tritteffizienz verbessern kann?

        Meine Kilometerleistung / Jahr: 9000-10.000
        Meine optimale TF: 95-105
        Meine FTP liegt bei 248W bei 65kg.

        Viele Grüße
        kurti

        • Jürgen Pansy

          Mit Vergleichen musst du etwas vorsichtig sein. Meine oben angeführte Einheiten sind allesamt auf der Rolle (Wahoo Kickr). Auf der Rolle fährt man einerseits sehr gleichmässig und andererseits ist die Trägheit wegen der niedrigen Schwungmasse gering. Dadurch wird man fast dazu gezwungen runder zu treten. Das wäre dann auch mein erster Tipp, wenn man den Tritt verbessern will: Rollentraining.

          Ich denke, dass speziell relativ lange, möglichst gleichmässige SST Einheiten dafür gut geeignet sind. Da spürt man nämlich mit Fortdauer der Einheit deutlich die Ermüdung und versucht dann automatisch durch eine Steigerung der Effizienz gegenzusteuern. Das gilt natürlich auch für’s Freie und nicht nur für Indoor Einheiten.

          • kurti

            Einheiten auf der Rolle sind natürlich gleichmäßiger, stimmt.

            Hatte vor, mir für den Herbst / Winter ein Singlespeed-Rad aufzubauen. Geht das nicht auch in diese Richtung?
            Auf der Rolle bin ich im Winter oft dicke Gänge als Intervalle gefahren und hohe Kadenzen ebenfalls sowie einbeiniges Fahren. Zu einer signifikanten Verbesserung der Effizienz beim Treten hat es bisher aber nicht geführt.

            Wie waren denn Deine Cycling Dynamics Daten bei Deinen Ausfahrten draussen bei GA-Einheiten und intensiven Intervallen?

            Gruß
            kurti

  2. R. Fürstenberg

    Moin Jürgen,

    ich habe seit dem Update der Vector Pedale auf Version 2.71 erhebliche Probleme. Und zwar zeigt mein Edge 810 während der Fahrt immer öfter mal bei der Trittfrequenz 0 an, obwohl ich pedaliere. Die Leistung sinkt dementsprechend auch nach unten auf dem Display. Nach übertragen der Daten dann habe ich eine sehr unterschiedliche Links – Rechts Balance (40 Links, Rechts 60) . Da ich aber aus vorherigen Trainings weiß, dass ich mich immer so bei 49 Links und 51 Rechts einpendeln vermute ich ein Problem im linken Pedal.

    Ich bereits alles mögliche versucht, Pedale neu montiert, Batterien raus und anschließend wieder eingestellt. Alles kein Erfolg.

    Hast du so etwas schon gehabt oder am besten gleich zu Garmin senden?

    Wie immer toller Blog.

    Gruß Rene Fürstenberg

    • Jürgen Pansy

      Hm. Für solche partielle Totalausfälle gibt’s eigentlich nur 3 Möglichkeiten: Batterien schwach/leer, Interferenzen oder Defekt.

      Würde einmal links und rechts neue Batterien reingeben und alle Wifi, Bluetooth und anderen ANT+ Geräte in der Nähe entfernen. Wenn das auch nicht hilft, dann ist vielleicht nur der linke Pod defekt. Die sind relativ günstig (~50eur) und vermutlich auch rasch zu bekommen. Hatte das Problem selbst noch nie, aber wenn der Pod nicht funktioniert gibt’s keine Kadenz und ohne Kadenz auch keine Watt.

  3. Marcus

    Wie wird die Cycling Dynamics Seite auf dem Edge 1000 aktiviert. Habe ein Update auf neuese Software (Vector und Edge 1000) durchgeführt, kann aber die graphische Anzeige der Cycling Dynamics nirgends finden. Danke!

  4. Stephan

    Hallo Jürgen, toller Blog den Du betreibst. Habe schon oft drin gelesen, aber heute mein erster Beitrag/Frage 🙂
    Hab ich das richtig verstanden, das die Cycling Dynamics Kenndaten nur auf dem Edge 1000/810/510 mit der passenden FW angezeigt werden. Ich habe seit ca. eineinhalb Jahren einen Edge 800 und seit November 2014 ein Vector S (FW 2.60), mein erstes PM. Beim Edge 800 hab ich ein Update auf FW 2.70 gemacht vor dem Einsatz vom Vector S.
    Hintergrund der ganzen Frage ist, ob ich mir nach den recht guten Erfahrungen mit dem Vector S noch das rechte Upgrade-Pedal dazunehme.
    Zum Einen, weil ich bei der nur linksseitigen P-Messung recht große Schwankungen von +/-15W bei der 3 Sekunden Mittelung habe. Würde das bei beidseitiger Messung besser?
    Weiterhin vermute ich bei mir einen ordentlichen Unterschied zwischen linkem und rechtem Bein. Wegen einer alten Verletzung am linken Sprunggelenk hat sich über die Jahre eine ordentliche Dysbalance in der Beinmuskulatur ergeben. Vor einem Jahr aber operativ behoben und seitdem gehts aufwärts. Nach Wasis WT in 2014 (Tour Forum) und jetzt in Wasis WT2.0 versuche ich die Muskelunterschiede zu beseitigen. Da wäre in meinen Augen die beidseitige Leistungsmessung sinnig.
    Aber was kann man beim Edge 800 dann an Daten anzeigen lassen?
    Weiterhin verwirrt mich Deine Aussage:
    „Nicht einmal der naheliegende Versuch die L/R Verteilung auf 50/50 auszugleichen, ist in der Praxis sinnvoll – eher das Gegenteil ist der Fall. “
    Wie ist das gemeint? Ich hätte gedacht, die 50/50 Verteilung wäre sozusagen das Optimum.
    Danke für Deine Hilfe und LG, Stephan

    • Jürgen Pansy

      @Schwankungen: Rein theoretisch sollte es besser werden, weil bei einseitiger Messung bei einer 90er Kadenz 1,5 volle Kurbelumdrehungen pro Sekunde erfasst werden. D.h. in manchen Sekunden sind 2 Powerphasen drinnen und in manchen nur eine. Bei L&R Messung verdoppelt sich die Anzahl der Powerphasen und daher sollten die Artefakte auch geringer sein. Ich habe selbst aber keinen Vector S, daher kann ich nicht verifizieren wie der genau mit der Verdoppelung der Daten umgeht.

      @Einseitig vs. beidseitig: Ich würde mir niemals einen einseitigen Leistungsmesser kaufen. Man sieht ja recht gut wie unterschiedlich sich meine Beine je nach Intensität und Dauer/Ermüdung verhalten. Durch eine Verschiebung der L/R Verteilung um ein paar Prozent ergibt sich gleich eine ordentliche Abweichung bei den Leistungsdaten (durch das Verdoppeln der gemessenen Werte wird auch der Fehler verdoppelt. 2% Verschiebung sind schon 4% Fehler. Bei 400W sind das schon 16W.)

      @50/50: Es gibt keine Studien die belegen, dass eine Korrektur von einer natürlichen 48/52er Verteilung auf eine antrainierte 50/50er Verteilung in Summe zu einer Leistungssteigerung führt. Was allerdings relativ normal sein dürfte (und was man auch bei mir sieht) ist, dass sich die Beine automatisch einer 50/50er Verteilung nähern, wenn sie stärker gefordert werden. Also z.B. gegen Ende eines Stufentests oder bei L5 Intervallen. Kann das zwar auch nicht mit Studien/Quellen belegen, aber ist mir schon öfters untergekommen.

  5. sigi

    hallo jürgen,
    nachdem du auf (fast) alles eine antwort hast, hätte ich eine frage.

    wenn ein untrainierter und ein trainierter radfahrer zb. eine bergstrecke gleich schnell hochradln verbraucht dann der trainierte weniger kalorien. (der eine fährt mit 100% seiner möglichkeiten der ander mit 30%)

    lg

    • Jürgen Pansy

      Wenn beide gleich schwer sind und in der gleichen Zeit hochfahren, dann benötigen sie gleich viel Energie (am Pedal) um auf den Berg hochzukommen.

      Da der Trainierte vermutlich effizienter ist, verbrennt sein Körper weniger Kalorien um die selbe Leistung aufs Pedal zu bringen. Bei mir ist es allerdings so, dass der Körper an der Schwelle effizienter arbeitet als darunter. Das gleicht den Trainingsvorteil ev. wieder etwas aus. Siehe letzte Grafik http://jpansy.at/2014/05/13/was-geht-noch-mit-40/

      Eindeutige Antwort gibt es keine. Müsste man die Effizienz beider zu den jeweiligen Intensitäten im Labor bestimmen. Gross ist der Unterschied vermutlich nicht. Max. 5-10%, die der Trainierte einspart.

  6. Kay Freytag

    Moin,

    Ich selber fahre den Leistungsmesser von Rotor und habe auch den Edge1000. Wenn ich die Cycling Dynamics Seite Aufrufe, werden auch die verschiedenen Wattwerte angezeigt, aber ich kann keine Phasen sehen und der blaue Kreis verändert sich auch nicht.

    Ist diese Anzeige nur mit dem Vector darstellbar? Weil das Rotorsystem kann ja auch Zug und Druckphasen messen.

    Lg Kay

    • Jürgen Pansy

      Laut der Rotor Homepage FAQ schickt der Rotor PM die folgenden Daten an einen Edge1000:

      POWER: Total power output measured in watts for both legs.
      BALANCE: Left – Right leg percentage contribution to power.
      TORQUE EFFECTIVENESS (Left/Right): Positive power contribution to total power in a pedaling cycle. Measured as a percentage; 100% means no negative power.
      PEDAL SMOOTHNESS (Left/Right): Ratio between average power and peak power in pedaling cycle. Measured as percentage.
      CADENCE: measured in RPM (revolutions per minute).

      Die erweiterten Daten aus den Cycling Dynamics sind da nicht dabei und werden daher auf dem Edge auch nicht angezeigt. Hinzu kommt, dass diese Daten (noch) nicht im öffentlichen ANT+ Bicycle Power Profil definiert wurden und – sofern Garmin nicht irgendwo selbst offen gelegt hat, wie’s funktioniert – vom Rotor PM auch gar nicht so einfach geschickt werden können.

  7. nick

    Hallo Jürgen,
    super Blog, folge dir schon einige Zeit!

    Habe seit kurzem die Vector und bin eigentlich ganz zufrieden. Mich ärgert nur etwas, dass schon nach ingesamt etwa 20h Betriebszeit die Batteriewarnung angezeigt wurde. Kann ja eigentlich nicht so früh sein.

    An sich habe ich aber eine andere Frage bezüglich PCO.
    Ich habe am linken Bein Werte zwischen -3 und -14. Erscheint mir etwas viel. Hilft es, die Position der Cleats etwas anzupassen, um mehr in die Mitte zu kommen und wenn ja, in welche Richtung muss ich denn verschieben?

    Danke schon mal!

    LG Nick

    • Jürgen Pansy

      Wenn es deine ersten Batterien waren, dann kann man nicht sagen wie gut die beieinander waren. Die Temperatur spielt auch eine wesentliche Rolle. Wenn es sehr kalt ist, dann kommt die Warnung oft sehr früh (ist mir letzten Sommer aufgefallen, da es da am Berg oft recht kalt ist und die Warnung kommt, die Batterien dann aber eigentlich noch ewig halten).

      Mit der neuen Software Version 3.50 lassen sich die Cycling Dynamics ausschalten. Das soll die Batterielebensdauer deutlich erhöhen.

      Ich habe auch einen deutlich ungleichen Plattform Center Offset. Verschieben der Cleats behebt das Problem etwas, allerdings ist unklar ob das auch einen Nutzen im Sinne von besserer Leistungsfähigkeit bringt. Vermutlich lässt sich der Offset auch durch Einlagen verschieben, was vermutlich der bessere Weg ist (Senkfuss, …). Habe mich noch nicht intensiv damit beschäftigt, aber Einlagen würde ich sowieso benötigen und sollte ich dann einmal welche haben, dann werde ich beobachten (und berichten) welchen Einfluss das auf die Cycling Dynamics hat. Wenn du mit den Cleats spielen willst, dann probier am besten einfach einmal die Extrempositionen aus (d.h. Cleats ganz raus oder ganz rein) und schau ob das Auswirkungen auf das Messergebnis hat. Wenn du die Cleats ganz aussen montierst, sollte der Druckpunkt nach innen wandern (also z.B. beim linken Fuss nach rechts).

      • Nick

        Danke für deine Antwort und die vielen Infos, werd mich mal ein wenig spielen. Einlagen habe ich im Schuh, daran wird es dann normalerweise weniger liegen.
        Nachdem nach dem Update zur Version 3.50 das rechte Pedal nicht mehr erkannt wurde, habe ich die Batterien wechseln müssen. Bin mal gespannt, wie lange dann diese jetzt halten …
        LG

  8. Takura

    Hallo Jürgen, war auf der Suche nach Informationen zu Cycling Dynamics und fand diese Seite sehr hilfreich, schönen Dank! Habe auf deinen Instagram photos auch den Power Meter von Pioneer gesehen, auf den ich selbst vor kurzem vom P2M umgestiegen bin. Würde mich sehr interessieren wie deine Meinung zu diesen beiden Power Metern im Vergleich besonders der fortgeschrittenen Kenndaten aussieht? Der Review zum Pioneer bei DCRainmaker is ja dazu leider eher konservativ. Grüße aus Japan, Takura

    • Jürgen Pansy

      Korrekt. Habe seit ca. 2 Monaten einen Pioneer Leistungsmesser (von Pioneer Deutschland für einen Langzeittest zur Verfügung gestellt) im Einsatz. Erster Bericht steht auf der To-do Liste und ist hoffentlich bald (heute?) fertig. Den DC Bericht habe ich auch gelesen, ist wie oft nicht sonderlich tiefgründig, weil er das Ding ja nicht wirklich im Einsatz hatte. Wobei seine Konklusios die gleichen sind wie auch meine ersten Eindrücke waren.
      Bin in den vergangenen 2 Monaten schon recht tief in das Pioneer System eingetaucht und werde mich bemühen die detaillierten Learnings in entsprechende Beiträge zu fassen (kann aber mehrere Beiträge&Monate dauern, bis ich dort bin).

  9. Pingback: Garmin Vector – Linkes Pedal fehlt |
  10. Pingback: Garmin Vector – Tipps & FAQ |
  11. Stefan

    Hallo Jürgen

    Erstmal Danke und Gratulation zu deinen sehr sehr interessanten Beiträgen.
    Ich bin auf deinen Homepage gestoßen seit ich mich über das Thema Wattmessung interessiere. Eigentlich war ich erst vor kurzem noch der Meinung Wattmessung im Amateurbereich brauche ich nicht! Jedoch seit ich auf das Buch gestoßen bin Wattmessung im Radsport von Allan Hunterund Andrew Coggan habe ich meine Meinung geändert! Nun bin ich stolzer Besitzer von Garmin Vector Pedalen und muss sagen es macht Spaß. Derzeit bin ich eigentlich noch am Daten sammeln wie es im Buch auch empfohlen wird.

    Meine Frage jetzt an dich was soll ich mit den Daten dann machen, also wo würdest du sie auswerten? Garmin Connect spiel ich sowieso ein reicht das oder sollte man zu WKO+ greifen oder ganz was anderes??

    Vielen Dank im voraus

    Stafen

    • Jürgen Pansy

      Garmin Connect bietet kein PMC Chart. Das sollte man nicht auslassen. Alternativen zu WKO+ sind Strava (muß man aber Premium Mitglied sein. Auto-Upload von Garmin Connect ist sehr praktisch) oder Golden Cheetah (gratis, aber in der Bedienung ziemlich mühsam).

      Ich verwende in letzter Zeit hauptsächlich Garmin Connect (Vector) bzw. Pioneer Cyclosphere (Pioneer PM) und Strava. WKO+ nur mehr sehr selten für Spezialauswertungen/-vergleiche.

  12. Michael Alt

    Hallo Jürgen,
    seit längerem fahre ich auch Wattmessung. hatte zuerst den Vector, da er aber sehr viele Fehler (zbs. Batterie, Wattausfall, usw.) hatten ich zu Garmin geschickt. Sie haben mir den Vector2 zurück gesendet. An dieser Stelle muß ich Garmin DE sehr loben, das sie so kulant sind. Naja, sie kosten auch etwas… Dort sind jetzt die Auswertungen, wie,PPS ,PPE, PCO Um mich etwas schlau zu machen, bin ich deine Seite gestoßen. Alles sehr Interesant. Meine Frage: bei der Anzeige Left PCO sieht es sehr gut aus Durchschnitt 3mm, aber bei Right PCO wie ein Streuselkuchen Durchschnitt -2mm
    Hatte schon die Platte R in verschiedene Stellung ausprobiert, leider keine Besserung.
    Kannst Du da Tipps geben, oder kann ich es die Auswertung mal zukommen lassen?
    Vielen Dank im voraus

    Micky

    • Jürgen Pansy

      Habe mich mit den Cycling Dynamics im Winter/Frühjahr etwas herumgespielt. Konnte dabei zwar die Werte verändern (verbessern?), aber es hat sich weder ein Leistungs- noch Komfortgewinn eingestellt. Gibt auch keinerlei Studien, die irgendwelche Idealwerte oder Referenzen bieten würden. Ausserdem verschieben sich die Werte je nach Intensität und Ermüdungsgrad während einer Ausfahrt. Ich ignoriere daher alles was an zusätzlichen Informationen kommt.

      Kann dir mit deinem „Problem“ auch nicht wirklich weiterhelfen. Streuselkuchen habe ich hauptsächlich bei „Power Phase Start“ auf der linken Seite (mein schwächerer Fuss). War schon immer so und dürfte kein Messfehler sein. PCO Korrektur ging bei mir durch verstellen der Cleats recht einfach, habe es aber wieder rückgebaut, da es sich nicht gut angefühlt hat (Meine Füsse/Beine sind nicht symmetrisch, da durch mehrfache Bänderrisse die Sprunggelenke unterschiedlich flexibel sind).

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