Wenn Radfahrer laufen …

20150320 HM Graz

… dann ernten sie oft Kopfschütteln von den Kollegen. Ist Laufen wirklich so schlecht wie oft behauptet wird? Wann macht es Sinn laufen zu gehen und wann nicht? Ich hab’s ausprobiert, mir heuer ein paar laufspezifische Ziele gesetzt (z.B. einen Halbmarathon absolvieren und ein paar Duathlons – 1,2,3)  und dabei folgendes gelernt:

„Man wird dort besser, wo man trainiert“ (siehe „Neunzig Prozent“), gilt nicht nur für die Gestaltung des Trainings (der 90% Ansatz hat bei mir beim Laufen auch funktioniert), sondern auch für die Wahl der Sportart. Will man beim Radfahren besser werden, dann sollte man mit dem Rad fahren.

Dem Herz-Kreislauf System ist es aber egal wie man es belastet. Daher ist Laufen in jedem Fall besser als nichts zu tun. Hat man nicht ausreichend Zeit zum Radeln, ist das Wetter zu schlecht oder ist man irgendwo auf Reisen, wo das Rad nicht mit kann, dann ist Laufen eine praktische Alternative. Ich schiebe gerne an Erholungstagen eine lockere Laufeinheit ein. Auch hier ist gemütliches Traben besser als auf der Couch zu hocken. Mit geeigneter Streckenwahl sind auch Intervalle an oder über der Schwelle für ungeübte Läufer machbar.

Während das Laufen im Flachen recht anstrengend für Bänder und Muskeln ist und man sich erst daran gewöhnen muss, v.a. wenn man – wie die meisten Radfahrer – einen gut trainierten Motor (Herz-Kreislauf System) hat, aber ein schwaches Fahrgestell (Bänder/Muskeln), dann ist bergauf laufen eine gute Alternative. Dabei arbeitet man vorwiegend gegen die Schwerkraft, hat eine ähnliche muskuläre Belastung wie beim Radfahren und es ist ein Leichtes den Motor voll auf Touren zu bringen ohne sich dabei zu verletzen. Kann man auch im Winter machen, sich auf Skipisten (mit oder ohne Ski) hocharbeiten und dabei viele Minuten Belastung an der Schwelle sammeln. In Städten kann man Sprints oder HIT Einheiten auf Hügeln, steilen Strassen oder Stiegen versuchen.

Apropos anstrengend: Schnelles Laufen ist viel fordernder und anstrengender als schnelles Radfahren. D.h. man muss deutlich längere Erholungsphasen einplanen. Ich war im heuer Mai nach dem Halbmarathon im März und meinen zwei Duathlons im April samt dem dazugehörigen Lauftraining ziemlich streichfähig. Während kurze Spitzenbelastungen (z.B. Zeitfahren) kein Problem waren, war vor allem die Erholungszeit deutlich länger als in den Jahren davor (mit reinem Radfahrtraining). Erst einen Monat später, im Juni, war ich aus dem Loch heraussen und fühlte mich wieder normal.

Schlagwort schnell: Ähnlich wie beim Radfahren die relative VO2max und die daraus abgeleitete Schwellenleistung (FTP) (siehe „Was geht noch?“) über die Leistungsfähigkeit entscheidet, so ist dies auch beim Laufen der entscheidende Faktor. Dieser Beitrag bzw. die darin angeführte Tabelle zeigt einem recht gut das Potential auf, das man als Läufer hat. Meine Vo2max liegt bei ~70 und ich bin heuer 10k in ~34:30 gelaufen. Passt also recht gut. Mein absolutes Leistungsniveau bei Rennen ist dann ähnlich: Bin ich als Radfahrer mit meinen knapp 5W/kg Schwellenleistung ein guter Amateurfahrer, so bin ich beim Laufen auch ein guter Amateurläufer. Einige sind schneller und viele sind langsamer als ich 😉

vo2max-runningspeed

Leidet das Radfahren unter dem Laufen? Jein. Bei mir hat das Laufen zu keiner Verschlechterung der Leistungswerte am Rad geführt, aber sehr wohl zu einem Aufbau an Muskelmasse (= mehr Gewicht = schlecht wenn man mit dem Rad bergauf fährt) und zu einer Reduktion spezifischer Trainingseinheiten, weil man auf ein intensives Radtraining nicht einfach ein intensives Lauftraining drauf packen kann. Nach dem Absetzen des Lauftrainings Ende April ist das Zusatzgewicht (ca. 1-1,5kg) erhalten geblieben und hat mich durch die gesamte Saison begleitet und dann im August/September auch dazu beigetragen, dass ich meine bisherigen Wattbestleistungen überbieten konnte. Bergauf war ich zwar immer noch langsamer als früher, aber am Zeitfahrer im Flachen so schnell wie noch nie. Gefühlt haben die zusätzlichen Laufmuskeln (Äussere Oberschenkelmuskulatur) vor allem die, bei intensiver Belastung ermüdenden, Radmuskeln (Gerade Oberschenkelmuskulatur) unterstützt. Das zeigt auch die Auswertung meiner Garmin Vector Pedale, die deutlich belegt, dass ich mit steigender Ermüdung immer O-beiniger werde (und dadurch die äußere Oberschenkelmuskulatur stärker belaste).

Nach den Erfolgen des heurigen Jahres (u.a. Österr. Meister Duathlon Masters, Österr. Meister EZF Amateure), kann ich nicht behaupten, dass das verstärkte Laufen ein Fehler gewesen wäre. Ich möchte daher auch weiter regelmässig laufen gehen (und irgendwann einmal noch einen drauf setzen!). Allerdings hatte ich heuer auch ziemliche Probleme mit meinen Waden und die schmerzen bei mir vor allem beim Laufen. Diese Schmerzen möchte ich unbedingt in den Griff bekommen – falls dies überhaupt geht. Meine Knöchel sind leider durch mehrfache Bänderrisse in der Bewegung eingeschränkt – und erst dann wird beim Laufen wieder richtig Gas gegeben.

Garmin Vector – Probleme mit Firmware 3.50

Ich habe dem Thema schon einen eigenen Beitrag gewidmet (Linkes Pedal fehlt), aber mit den darin genannten Tipps ist es leider nicht getan, auch mit einem Upgrade auf die v2 Pods nicht. Es kommt nach wie vor sehr leicht zu Problemen in der Kommunikation der Pedale untereinander bzw. mit einem gepairten Radcomputer, die sich nur durch das Entfernen der Batterien, Neuinitialisierung und Kalibrierung rasch beheben lassen. Ich war bei einem Rennen am vergangenen Wochenende davon betroffen (Edge500), als auch gestern bei Tests auf der Rolle (Forerunner 920XT).

Nun hat erstmals Garmin ein offizielles Statement zu den Problemen abgegeben. Angeblich seien sie nun isoliert und sollen mit einem Firmwareupdate behoben werden. Dazu soll es vorab auch eine Betaversion geben.

Bis dahin wird empfohlen zuerst die Pedale aufzuwecken und erst danach den Radcomputer einzuschalten!

Update (18.9.2015): Mittlerweile ist die Beta Firmware 3.62 verfügbar, die die Probleme beheben soll. Was sonst noch neu ist wird nicht genannt. Das Update kann nur mit einem Edge1000, einer FR 920xt oder Fenix3 eingespielt werden. Anleitung gibt es hier. Bei mir hat das Update und eine erste Testausfahrt ohne Probleme geklappt. Achtung: Man kann nicht Downgraden! Da die Firmware in den Pods gespeichert ist, kann man aber relativ risikolos updaten sofern man ein zweites Paar Pods herumliegen hat (z.B. die alten Pods nach einem Upgrade von Vector1 auf 2). Wer das Risiko nicht eingehen will wartet besser noch etwas zu.

Update (5.11.2015): Garmin hat nun die Firmware Version 3.81 veröffentlicht. Diese sollte die Probleme in den meisten Fällen beheben. Da es sich um eine offizielle Firmwareversion handelt, kann diese auch wie alle offiziellen Updates direkt mit einem kompatiblen Radcomputer (z.B. Edge 1000) oder mit der Vector Updater Software (Mac&PC) eingespielt werden.

Pioneer PM – Tipps & FAQ

Nach mehreren Monaten mit dem Pioneer Leistungsmesser (aka „Tritt-Überwachungssensor“) habe ich einiges an Erfahrungen gesammelt. Anbei eine Liste mit den wichtigsten Dingen, die man als (zukünftiger) Besitzer dieses Powermeters wissen sollte. Die Liste werde ich bei Bedarf erweitern.

Kalibrierung & Temperaturkompensation

Der Pioneer PM hat keinen automatischen Nullpunktabgleich, daher muss dies von Zeit zu Zeit manuell erledigt werden. Laut Pioneer sollte man dies bei Abweichungen größer +/- 6 N machen. Zur Kalibrierung ruft man die ZeroCal App auf dem Pioneer Radcomputer auf oder wählt auf einer ANT+ Headunit (z.B. Garmin Edge) die Funktion „Kalibrieren“.

Die ZeroCal App zeigt dabei detailliert die Abweichung vom Nullpunkt sowohl für die tangential als auch radial angeordneten Sensoren für das linke und rechte Pedal an. Ausserdem wird die Batteriespannung angezeigt.

Während die Kalibrierung durchgeführt wird, darf keine Last auf den Pedalen sein. D.h. dies muss in Ruhe erfolgen und mit den Beinen am Boden und nicht auf den Pedalen. Am genauesten ist es, wenn man die Pedale gesondert links und rechts kalibriert, wobei jeweils das Pedal auf der Seite auf der gerade kalibriert wird am tiefsten Punkt (6 Uhr Position) sein sollte. Nach der Kalibrierung sollten die angezeigten Werte für tangentiale und radiale Kraft möglichst nah an 0 sein.

Führt man die Kalibrierung im ANT+ Modus aus, so kann man nur beide Pedale auf einmal kalibrieren. Dazu stellt man die Kurbel ebenfalls senkrecht (6 bzw. 12 Uhr Position) und führt die Kalibrierung durch. Als Ergebnis wird in diesem Fall allerdings kein Kalibrierungswert retour geliefert, sondern immer die gleiche Zahl (vermutlich eine Geräte ID).

Jedenfalls aufpassen muss man darauf, dass die Kurbel bei der Kalibrierung bereits an die Umgebungstemperatur angepasst ist. Das benötigt ca. 20 Minuten und ist deshalb wichtig, weil jeder Kalibrierungswert gemeinsam mit der gemessenen Temperatur in einer internen Temperaturkompensationstabelle  abgespeichert wird. Weicht die aktuelle Temperatur während einer Ausfahrt um mehr als 4 Grad von der Temperatur zu der zuletzt eine Kalibrierung durchgeführt wurde ab, verwendet der Leistungsmesser die interne Tabelle um eine Temperaturkompensation durchzuführen.

Man sollte daher nicht direkt beim Start einer Trainingseinheit eine Kalibrierung durchführen sondern erst nach ca. 20min. Ist die Temperaturkompensationstabelle einmal mit einigen Referenzpunkten befüllt, kann man sich die Kalibrierung auch sparen und braucht nicht bei jeder Ausfahrt stehen bleiben um zu kalibrieren.

Die Temperaturkompensationstabelle kann man wieder leeren indem man mit einer Pioneer Headunit die ZeroCal App startet, nach unten swiped und „Initialisieren“ auswählt. Ausserdem wird bei den hochgeladenen Workouts auf Cyclosphere angezeigt wie die Qualität der Kompensationstabelle ist. Die in der ZeroCal App angezeigten Abweichungen vom Nullpunkt beinhalten bereits die Berechnung der Temperaturkompensation.

Powermetermodus 

Der Pioneer Leistungsmesser kann sowohl im privaten ANT Modus („Pedaling Monitor“ Modus) mit einem Pioneer Radcomputer als auch im ANT+ Modus („Dual Power“ oder „Single Power“ Modus auch „Powermeter“ Modus genannt) mit jedem ANT+ fähigen Radcomputer verwendet werden.

Im Auslieferungszustand ist der private ANT Modus aktiv. Pioneer hat angekündigt dies ab September 2015 zu ändern.

Um den Modus zu wechseln verwendet man entweder einen Pioneer Radcomputer und geht anhand dieser Anleitung vor oder man öffnet mit einem Inbus Schlüssel das Gehäuse des rechten Sensors, weckt den Leistungsmesser durch Rückwärtskurbeln auf und drückt den kleinen Knopf im Sensor für 2 Sekunden. Danach leuchten die LEDs für 10 Sekunden orange (Powermeter Modus) oder grün (Pedaling Monitor Modus). Drückt man den Knopf kürzer als 2 Sekunden, wird durch das Leuchten der LEDs angezeigt welcher Modus gerade aktiv ist ohne diesen zu verändern.

Beim Betrieb im Powermeter Modus ist die Verzögerung vom Anlegen einer Kraft bis zur Ausgabe auf dem Radcomputer deutlich länger als im Pedaling Monitor Mode (~2s). Ob dadurch auch Messwerte verloren gehen oder diese einfach nur später verschickt werden ist nicht bekannt.

Batterien

Leider gibt es keinerlei Warnung wenn die Batterien schwach werden. Aufmerksam auf einen Ausfall wird man erst, wenn die Wattzahlen beginnen auszufallen oder unerklärlich niedrig zu sein. Daher sollte man nach Möglichkeit Ersatzbatterien mit sich führen.

Im Pedaling Monitor Mode kann man über die ZeroCal App den Batteriezustand (in V) abfragen. Neue Batterien des Typs CR2032 liefern ca. 3,0V. Fällt die Spannung unter 2,6V sollten die Batterien getauscht werden.

Ich habe gute Erfahrungen mit den Renata CR2032 Zellen gemacht und verwende ausschließlich Batterien dieses Typs.

Linksammlung

Support Seite von Pioneer
Cyclo-Sphere Portal
Test von DC Rainmaker
Powermeter24.com Online Händler

Garmin Vector 1 > Vector 2 Upgrade

Bereits im Frühjahr hat Garmin die Version 2 der Vector Leistungsmesspedale angekündigt. Wesentlichste Neuerung sind dabei die neuen Pods, die nun nicht mehr aus Metall sondern aus Plastik sind und auch nicht mehr gemeinsam mit dem Pedal angezogen und eingeklemmt werden – was des öfteren zu Problemen bzw. Bruch geführt hat – sondern nachträglich mittels eines Inbus Schlüssels auf die montierten Pedale geklemmt werden. Ausserdem besitzen die neuen Pods Status LEDs und – wenn die Vermutung stimmt – auch eine veränderte Hardware, die bei den alten Pods bei Verwendung der Cycling Dynamics zum Ausfall des linken Pedals führen konnte.

Für Vector 1 Besitzer kündigte Garmin ein Upgrade Kit an, welches allerdings lange Zeit nicht lieferbar war. Diese Woche habe ich es nun erhalten und damit meine beiden Vector Systeme upgegradet.

vector2update
Inhalt des Vector 2 Upgrade Kits – Nur die Teile in der unteren Reihe (Pods, Schrauben, Distanzringe) werden für das Upgrade benötigt. Der Tausch der Pedalachse (obere Reihe) ist optional.

Das Upgrade ist sehr rasch durchgeführt und beschränkt sich darauf die Pedale abzuschrauben und die alten Pods abzunehmen. Stattdessen werden die blauen Distanzringe eingelegt und die Pedale wieder angeschraubt. Ev. davor verwendete silberne Distanzringe bleiben drauf. Danach werden die neuen Pods mit den schwarzen Schrauben und dem Inbus an die Pedale geschraubt und die Kabelverbindung eingesteckt. Falls die Vector Pedale noch nicht die Firmware 3.50 installiert haben, muss noch die aktuellste Firmware installiert werden (via Edge1000 oder Garmin Vector Updater PC/Mac Software).

Die Pedale werden wie gewohnt vom Radcomputer gefunden und man wird zur Initialisierung (Einstellen des Montagewinkels&Kurbellänge, Kalibrierung) aufgefordert. Danach ist man startklar. Optional kann auch die Pedalachse ausgetauscht werden (habe ich nicht gemacht).

Das hat bei einem meiner beiden Vector Systeme auch alles geklappt. Das zweite zickte etwas, da es nach der Installation der neuen Pods vom Edge1000 nicht gefunden wurde. Habe dann den Vector Updater am Mac gestartet und die bereits aktuelle Firmware noch einmal aufgespielt. Das lief zwar nur am linken Pedal durch und lieferte für das rechte Pedal einen Fehler, allerdings war danach das System für den Edge1000 sichtbar und nach der Initialisierung auch wie gewohnt verwendbar.

Bin mittlerweile mit beiden Systemen Ausfahrten gefahren und konnte keine Unterschiede in den gemessenen Leistungswerten feststellen. Insgesamt wirkt das neue System etwas stabiler, da man die Pedale leichter andrehen kann und dabei nicht mehr um die Pods fürchten muss, die Pods nicht mehr irgendwie schief in der Gegend herumhängen und die Statusanzeige  durch die LEDs die Fehlersuche v.a. bei älteren Radcomputern (z.B. Edge500) bzw. nicht Garmin Geräten vereinfacht. Die alten Pods haben allerdings mit der Aluminiumoberfläche etwas höherwertiger gewirkt als die Plastikbomber der Version 2. Ausserdem haben sie stabiler die Position gehalten. Die neuen Pods wackeln systembedingt durch den Gummi-/Plastikverschluss etwas – egal wie fest man die Schrauben mit dem Inbus anzieht. Was bei einem Sturz sicher von Vorteil ist (Pods geben nach), könnte Auswirkungen auf die gemessenen Werte haben.

Seitens Garmin findet sich dazu lediglich der Hinweis in der Anleitung, dass die „Ausrichtung der Pedalsender keinen Einfluss auf die Berechnung von Leistung und Trittfrequenz“ hat. Ob eine Veränderung der Position der Pedalsender nach der Initialisierung (z.B. beim Transport oder durch einen Sturz) nicht doch einen Einfluss auf die Berechnung der Werte hat, wird in der Anleitung nicht erwähnt.

Das Upgrade Kit kostet rund €140.- und ist im Fachhandel und bei Internethändlern verfügbar.

Update: Bei mir sind mittlerweile auch die neuen Pods einmal ausgefallen und das obwohl Cycling Dynamics und Tritt Effizienz ausgeschalten waren. Es kam zwar nicht die Meldung, dass das linke Pedal fehlt, aber ganz gefeit vor Problemen ist man wohl mit den neuen Pods auch nicht. Beheben lies sich das Problem nur durch Entfernen der Batterien beider Pods.

Update 2: Habe mittlerweile Verdrehtests an den Pods durchgeführt mit dem Ergebnis, dass die genaue Position der Pods keine Auswirkung auf die gemessenen Werte hat. D.h. man braucht keine Angst davor haben, dass sich die Pods leicht verdrehen (z.B. beim Transport) und daher die Schrauben mit dem Inbus nicht übertrieben fest anziehen.

verdrehtest
Das Verdrehen der Pods wirkt sich auf die Messwerte kaum aus. Das Kalibrieren (leider) schon. Testfahrt auf Strava

Anbei Scans des beiliegenden Handbuchs:
anleitung1
anleitung2

Pioneer Tritt-Überwachungssensor

pioneer

Heuer im März erhielt ich von der deutschen Presseagentur von Pioneer ein Mail mit der Vorstellung des hauseigenen Leistungsmesssystems SGY-PM910H, von dem ich zwar schon gehört , es aber noch nie näher betrachtet hatte. In dem Mail wurde auch ein Test angeboten. Ich meldete mich, allerdings mit dem „Sonderwunsch“, dass ich an einem Kurzzeittest – wie für Magazine üblich – nicht interessiert sei, sondern wenn dann an einem Langzeittest über die gesamte 2015er Saison. Zu meinem Erstaunen willigte Pioneer ein und seit Anfang April bin ich nun auf meiner BMC Timemachine TMR01 mit 175er Dura Ace Kurbel, Pioneer Powermeter und zugehörigem SGX-CA500 Radcomputer unterwegs.

tmr01
BMC TMR01 mit Dura Ace Di2 und Pioneer Leistungsmesser (66g). Mit Zipp404 Laufrädern wiegt das Rad ~6,9kg.

Da ich keinen Test sondern viel mehr einen Erfahrungsbericht schreiben möchte, gehe ich hier nur kurz auf den Leistungsmesser selbst ein:

Beim Pioneer Tritt-Überwachungssensor handelt es sich eigentlich um zwei getrennte Leistungsmesser, die unabhängig voneinander an der linken und rechten Kurbel fix ab Werk befestigt werden. Es werden ausschließlich die Shimano Dura Ace FC-9000 sowie die Ultegra FC-6800 Kurbel unterstützt. Nach dem Kauf des Leistungsmessers wird dieser gemeinsam mit der Kurbel eingeschickt und von Pioneer der Leistungsmesser aufgebracht und kalibriert. Dies dauert im Regelfall ca. eine Woche. Danach wird die Kurbel wieder am Rad montiert, links und rechts Magneten am Rahmen angebracht und einmalig kalibriert. All dies sollte von einem Händler erledigt werden, kann aber auch selbst vorgenommen werden.

Danach kann es schon losgehen. Aufgezeichnet wird entweder im Pedaling Monitor Modus mit dem Pioneer SGX-CA500 Radcomputer oder im Powermeter Modus mit jedem ANT+ kompatiblen Radcomputer (z.B. Garmin Edge).

Verwendet man  den SGX-CA500, dann erhält man neben Kadenz und Watt auch detaillierte Auswertungen zum eigenen Tritt. Dabei misst der Tritt-Überwachungssensor – deswegen bezeichnet ihn Pioneer auch als solchen und nicht einfach als Leistungsmesser – alle 30 Grad bzw. 12x pro Kurbelumdrehung die anliegende tangentiale und radiale Kraft und stellt diese in Vektordiagrammen oder als (Kenn-) Zahlen dar. Entweder während der Fahrt auf dem Radcomputer oder danach auf der eigenen Webplattform Cyclo-Sphere, auf die alle Fahrten nach Abschluss via WIFI oder USB/Computer (Windows oder Mac) hochgeladen werden.

 

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Auswertung des Tritt-Überwachungssensor: Watt, Trittfrequenz, L/R Verteilung, Effizienz, Kraftvektoren und -diagramm

Einen ausführlichen Testbericht gibt es bei DC Rainmaker.

Erhältlich ist der Leistungsmesser über den Fachhandel. Der UVP für den Leistungsmesser liegt bei EUR 1399.- und für den Radcomputer EUR 299.-

Pioneer?

Bevor ich zu einem ersten Fazit komme, noch ein paar Hintergrundinformationen dazu warum eine Firma wie Pioneer, die hierzulande für Unterhaltungselektronik steht, einen Leistungsmesser für das Rad anbietet:

Wie viele große Firmen, bietet auch Pioneer den eigenen Ingenieuren die Möglichkeit Eigenentwicklungen und Ideen einzubringen. Ein Ingenieur aus Japan hatte die Idee zum Leistungsmesser fürs Fahrrad, damit einen internen Ideenwettbewerb gewonnen und letztlich auch einen Prototypen umgesetzt. Damit fuhr er zur Eurobike Messe und stellte das Gerät vor. Ausgerechnet ein Team Coach der Lotto Jumbo Profimannschaft (vormals Belkin) wurde auf die detaillierten Auswertungen, die mit dem Pioneer System möglich sind aufmerksam. Fortan wurde das System gemeinsam weiterentwickelt und bis zur Marktreife gebracht. Derzeit ist das Pioneer System neben Lotto Jumbo auch noch bei Giant Alpecin, United Healthcare  und dem Rabo Liv Damenteam im Einsatz.

pioneer-sepParis-Roubaix: Im Gegensatz zu so manchem Proteam fährt das Lotto Jumbo Team den gesponserten Leistungsmesser in allen Strassenrennen und Zeitfahren

Fazit nach 3 Monaten

Sehr zuverlässig und robust – Hatte noch keinen Ausfall (bis auf einen Batterietod am Anfang einer Ausfahrt)

Sehr akkurat – Mir kommen die Leistungswerte sehr plausibel vor. Gröberer Ausreisser ist mir noch keiner untergekommen. Auch Temperaturschwankungen sind kein Problem.

Sehr technisch – Angefangen vom Radcomputer über das Webportal bis zu so simplen Dingen wie fehlenden Batteriebenachrichtigungen, wird einem bei der Benutzung sofort klar, dass das Projekt von einem Ingenieur und nicht der Marketingabteilung geleitet wird. Es gibt gefühlt 100 unterschiedliche Optionen. Alles lässt sich verstellen und analysieren. Die oft etwas eigentümlichen Bezeichnungen und Übersetzungen sowie Benutzerinterfaces (Webseite und Radcomputer) wirken allerdings teils komplexer als sie eigentlich sind.

Mir gefällt das System. Speziell der Radcomputer im Edge 500 Format mit automatischem WIFI Upload, attraktiveren Screenlayouts als Garmin’s Edge Computer und das Webportal mit den vielen Auswertungsmöglichkeiten, haben dazu geführt, dass ich WKO+ so gut wie gar nicht mehr verwende. Wenn ich nach Hause komme ist die Fahrt schon bevor ich die Schuhe ausgezogen habe via WLAN auf Cyclo-Sphere hochgeladen und automatisch zu Strava weitergeleitet. Das reicht mir für 95% meiner Auswertungen.

Was mich am meisten stört sind die am Radcomputer fehlenden Leistungskennzahlen NP/TSS/IF, die vom Edge 1000 gewohnten SMS&Anruf Notifizierungen und das Fehlen jeglicher Batteriewarnungen (sowohl Radcomputer als auch Leistungsmesser).

Und weil die Frage sicher kommt: Würde ich mir das System kaufen? Wenn ich ehrlich bin zum jetzigen Zeitpunkt wohl (noch) nicht. Dies liegt aber gar nicht so an Pioneer sondern an der Konkurrenz, die mit immer günstigeren Preispunkten (Leistungsmesser) und mehr Features (Radcomputer. z.B. Edge 520, Strava Integration) am Preis-/Leistungsverhältnis von Pioneer rüttelt. Für den reinen Renneinsatz braucht sich das System aber sicher nicht vor einem SRM verstecken, das wesentlich teurer ist und ebenfalls keine Touring Funktionen (Notifizierungen, Strava, Routing) bietet.

Seit Anfang Juli 2015 bietet Pioneer unter der Bezeichnung SGH-PM910H2 (EUR 1399.-) bzw. HR/HL nun auch ein einseitiges System (EUR 799.-), bei dem sich linker und rechter Sensor beliebig kombinieren aber auch getrennt voneinander betreiben lassen. Damit folgt Pioneer dem Trend vieler anderer Hersteller von Leistungsmessern, die einseitige Lösungen anbieten um ein günstigeres Modell im Angebot zu haben. Ich persönlich halte dieser Entwicklung und der einseitigen Messung nichts, daher sind diese Neuerungen für mich nicht sonderlich reizvoll.

Im nächsten Blogbeitrag werde ich versuchen die wichtigsten Dinge, die man auf jeden Fall wissen und in der Praxis berücksichtigen sollte, zusammenzufassen.

Links:
Pioneer Tritt-Überwachungssensor