Höhentraining – Teil 1

Bei Profis ist es fixer Bestandteil des jährlichen Traingsplans. Immer wieder hört&liest man davon, dass sich am Teide auf Teneriffa die besten der Welt beinahe auf die Zehen steigen, dass dieser und jener zu Hause ein Höhenzelt verwendet oder gar – wie Bradley Wiggins – eine eigene Höhenkammer hat bauen lassen. Das macht natürlich neugierig und daher habe auch ich mich zunächst in die Thematik eingelesen und danach versucht für mich eine praktische Anwendung abzuleiten und im Selbsttest zu erproben.

Einlesen

Da es jede Menge Beiträge dazu gibt werde ich hier nicht näher darauf eingehen, sondern einfach nur auf ein paar Quellen verweisen, die die unterschiedlichen Höhentrainingsformen am besten beschreiben:

Praktische Anwendung

Für mich als „Hügellandindianer“, der weder im Training noch Urlaub regelmässig auf Höhen größer 2000hm kommt, es vorzieht im Bett neben der Frau statt einem Höhenluftgenerator zu schlafen, kommt eigentlich nur intermittierendes Höhentraining in Frage. Das ist eine Abwandlung des Live Low – Train High (LLTH) Konzepts. D.h. man lebt ganz normal in Normoxie und trainiert in einer Höhenkammer oder atmet über eine Atemmaske eine durch einen Generator sauerstoffreduzierte Luft ein. Über den Sauerstoffgehalt der Atemluft bzw. die über einen Pulsoximeter gemessene arterielle Sauerstoffsättigung (SaO2) kann man regeln in welcher „virtuellen“ Höhe man trainieren möchte. Meine Wahl viel auf einen Generator, weil sich dieser problemlos in den eigenen 4 Wänden platzieren lässt und somit kein logistischer Mehraufwand für das Hypoxietraining entsteht. Was allerdings schon entsteht sind zusätzliche Kosten. Generatoren werden um ca. 130EUR/Woche vermietet, was Höhentraining zu einem teuren Spass macht, v.a. wenn man damit – so wie ich – hauptsächlich herumprobieren möchte. Ich habe mir daher einen gebrauchten Generator gekauft, der ohne viel Wertverlust wieder weiterverkauft werden kann.

hypoxico
Generator mit Atemmaske

Trainingsprogramm

Die Auswahl der in Studien verwendeten Trainingsprotokolle ist groß und sehr unterschiedlich, genauso wie die dabei erzielten Ergebnisse bzw. Steigerungen. Patentrezept gibt es nicht. Ich habe mich letztlich dafür entschieden im Jänner und Februar (~5 Wochen) die intensiven Einheiten aus meinem Wintertrainingsplan in Hypoxie (SaO2 80%-85%) zu absolvieren, optional ergänzt mit lockeren, 60min langen L1/L2 Hypoxie Einheiten (SaO2 80%-85%). Da ich im November und Dezember die intensiven Einheiten schon mehrmals absolviert hatte, sollte ich auf diese Weise die Entwicklung gut verfolgen können.

Vor dem Start wurde an getrennten Tagen jeweils ein Stufenleistungstest in Normoxie und Hypoxie absolviert und  ein all-out Test mit 375W. Zum Abschluss sollen die Tests noch einmal absolviert und die Ergebnisse verglichen werden.

Erwartete Ergebnisse

Erwarten sollte man am besten nicht zu viel. Studien liefern keine klaren Aussagen und v.a. Ergebnisse mit starken individuellen Variationen. Was man sich jedenfalls nicht erwarten kann ist eine Erhöhung der Sauerstofftransportkapazität des Blutes (EPO > mehr rote Blutkörperchen). Darauf zielt das klassische Sleep High (z.B. im Höhenzelt) Train Low Konzept ab. Dies erfordert einen Aufenthalt von täglich über 10h in Hypoxie über einen Zeitraum von mind. 3 Wochen. Leistungszuwächse von 1-1,5% sind dadurch zu erwarten.

Intermittierendes Höhentraining wirkt ausschließlich auf die Muskulatur. Diese passt sich auf das reduzierte Sauerstoffangebot an und wird – vereinfacht gesagt – in der Verwertung von Sauerstoff effizienter. Daneben kann es auch noch andere Anpassungen geben wie z.B. eine erhöhte Laktatpufferkapazität oder ein gesteigertes Atemvolumen.

Diese Anpassungen können einem folglich nur dann zugute kommen, wenn man einen Sauerstoffengpass hat. Dies ist jedenfalls unter hypoxischen Bedingungen (Bergrennen, Transalp, Marathon in den Alpen) der Fall. Hier liegt der Unterschied in der Abnahme der Leistungsfähigkeit bei zunehmender Höhe zwischen einem angepassten und nicht angepassten Athleten bei 3-4%. Auf einem langen Berg (Großglockner) sind das bis zu 2,5min.

In Normoxie muss man sich über oder zumindest nah an der VO2Max bewegen, damit auch dort Sauerstoff zu einem limitierenden Faktor wird. Steigerungen sind hier also nur in sehr intensiven Bereichen zu erwarten (anaerob).

Erste Erfahrungen

Nach zwei Wochen mit 7 Hypoxie Einheiten habe ich folgende erste Erfahrungen gesammelt:

  • Die beiden Stufenleistungstests haben den erwarteten Unterschied für nicht angepasste Athleten von 15% zwischen Normoxie und einer Hypoxie von ca. 2300hm ergeben.
  • Dementsprechend bin ich die intensiven Einheiten mit 15% weniger Leistung gefahren als sonst. Das passt mit der gefühlten Anstrengung und Pulsfrequenz sehr gut zusammen, da hier hauptsächlich der steigenede Laktatspiegel der Begrenzer ist und dies auch unter Hypoxie so ist. Interessant ist allerdings, dass der „Muskelschmerz“ danach ein anderer ist. Offenbar führt die niedrigere absolute Leistung (z.B. 300W statt 350W) zu einer niedrigeren Belastung der Muskulatur.
  • Trotzdem zehrt das Training nicht weniger als sonst an den Kräften. Die Erholungszeiten kamen mir gleich lang vor. Die gefühlte Gesamtbelastung blieb ähnlich wie davor. Alles gleich, nur fühlt es sich anders (angenehmer) an.
  • In der 2. Woche konnte ich bei allen Einheiten zulegen. Bei den Hypoxie Einheiten musste ich die Einstellung am Generator etwas nachregeln um im Ziel SaO2 Korridor zu bleiben, als auch die Watt bei den Einheiten nach oben regeln, damit diese ähnlich anstrengend wie in der Woche davor blieben.  Bei den Einheiten in Normoxie machte sich ein gefühlt niedrigerer Laktatspiegel positiv bemerkbar. Ob dies tatsächlich erste Zeichen für eine Anpassung sind oder einem  anderen Trainingseffekt (z.B. Peak) geschuldet sind, kann ich noch nicht beurteilen.
  • Das Höhentraining hat bisher keinerlei (negative) Nebenwirkungen.

Protokoll und Diskussion zu den Trainingseinheiten gibt’s auf Strava. Das nächste Update hier vermutlich erst nach Abschluss der finalen Leistungstests.

Links:
Höhentraining – Teil 2
Höhentraining – Teil 3

Auf der Rolle 2016/1

Alle Jahre wieder … ist es irgendwann so weit, dass ich mich zum Training in den Keller bzw. auf die Rolle zurückziehe. Heuer erst recht spät, da der aussergewöhnlich warme Herbst ein Training auch morgens im Freien zugelassen hat. Nun ist es aber doch so weit und wie jedes Jahr konzentriere ich mich indoor hauptsächlich auf kurze, intensive und qualitativ hochwertige Einheiten anstatt stundenlang auf der Rolle gegen die Wand zu starren.

Setup

Ist im Vergleich zum Vorjahr nur minimal verändert. Anstatt der Vector Pedale mit 175er Kurbel, fahre ich heuer eine FSA Kurbel mit SRM Leistungsmesser und 172,5mm Kurbellänge. Ausserdem wieder Q-Rings. An der Software hat sich wenig verändert. Mein Mac Mini läuft mittlerweile mit Windows 10 und zusätzlich zu PerfPro kommt Zwift fallweise zum Einsatz.

Das – im Vorjahr ohnehin nur sehr selten zum Einsatz gekommene – Zeitfahrrad darf heuer gleich gänzlich im Winterschlaf bleiben. Am Zeitfahrer trainiere ich erst wieder im Frühjahr im Freien.

Trainingsplan – Rückblick 2015 & Ausblick 2016 

mmp2015
2015 lag der Fokus darauf die 20min Leistung zu verbessern. Das ist, wie auch in den Jahren zuvor (2013 – Fokus 5min Leistung, 2014 – Fokus 60min Leistung), gelungen und hat letztlich auch zu den sehr guten Zeitfahrergebnissen im heurigen Jahr beigetragen.

2015 war ein verrücktes und sehr lehrreiches Jahr, mit extremen Höhen (Meister im EZF und Duathlon, Vizemeister Strasse) und extremen Tiefen (Aufgabe RATA & Ötzi). Gerade die Tiefen bzw. deren Gründe (Nerven in Wirbelsäule eingeklemmt, vegetatives Nervensystem spielt verrückt) haben mich dazu bewegt das kommende Jahr unter einen gänzlich anderen Stern zu stellen. Der Fokus liegt nicht mehr auf irgendwelchen Rennen und Ergebnissen, sondern darauf, die Probleme mit der Wirbelsäule/Nacken in den Griff zu bekommen und einfach wieder lange, schmerzfrei Radfahren zu können. Dazu werde ich mir vermutlich lediglich das Durchkommen bei einem langen Rennen (24h) zum Ziel setzen und andere Wettkämpfe – wenn überhaupt – nur nach Lust&Laune bestreiten. Als Nebenziel steht noch „48er Schnitt bei einem Zeitfahren schaffen“ bereit, nachdem ich mir von 2013 (45er) bis 2015 (47er) jeweils 1km/h mehr vorgenommen und das auch immer erreicht habe.

Der doch stark veränderte Fokus wird sich auf das Trainingsprogramm allerdings nicht so stark auswirken. Die Fitness soll erhalten bleiben, ausserdem „Never change a winning team“.

Daher wird nur folgendes im Vergleich zum Vorjahr verändert:

  • Eine längere Einheit von mind. 2h, besser >3h pro Woche (um den Fortschritt in der Wirbelsäulengenesung mitzuverfolgen)
  • Kein Training am Zeitfahrrad im Winter: Regelmässige Trainings habe ich im vorigen Winter schon nicht gemacht, daher lasse ich das heuer gleich ganz weg.
  • Keine Intervallläufe im Flachen: Laufen möchte ich auch heuer im Winter wieder und zwar so viel und so oft ich Lust habe. Jede Radeinheit, bis auf die L5 und L4 Einheiten, können auch durch einen Lauf ersetzt werden. Allerdings werde ich keine schnellen Läufe deutlich unter 4min/km machen, da dies extrem an der Substanz zehrt und meinen Körper (Muskulatur) zu stark auslaugt.  Bergauf sind intensive Läufe aber erlaubt, weil sie wesentlich schonender für die Muskulatur sind und obendrein ein ausgezeichnetes Herz-Kreislauftraining.

Das ergibt dann den folgenden typischen Wochenplan:

  • Montag: L4&L5 – 2x(2min@120% + 8min@100%) + 10min Pause
  • Dienstag: Zwiften / Lange Ausfahrt / Langlaufen (min. 2h, >2000kcal, >150TSS)
  • Mittwoch: L2 – 60m@65%-70% locker.
  • Donnerstag: L4 – 4x8m@100%-110% + 5min Pause
  • Freitag: SST – 60m@90%-95%
  • Samstag: L2 – 2h@70%
  • Sonntag: L1 – 1h@55% oder lockerer Lauf oder Ruhetag

Davon sind insgesamt 2 Blöcke geplant. Ein 5 Wochen Block Ende November und Dezember und ein 5 Wochen Block von Jänner bis Mitte Februar. Falls ich es logistisch hinbringe, möchte ich im Jännerblock intermittierendes Höhentraining (IHE & IHT) einsetzen um auszutesten ob und welche Auswirkungen dies auf meine Leistungswerte hat.

Links:
Auf der Rolle 2016/2

Wenn Radfahrer laufen …

20150320 HM Graz

… dann ernten sie oft Kopfschütteln von den Kollegen. Ist Laufen wirklich so schlecht wie oft behauptet wird? Wann macht es Sinn laufen zu gehen und wann nicht? Ich hab’s ausprobiert, mir heuer ein paar laufspezifische Ziele gesetzt (z.B. einen Halbmarathon absolvieren und ein paar Duathlons – 1,2,3)  und dabei folgendes gelernt:

„Man wird dort besser, wo man trainiert“ (siehe „Neunzig Prozent“), gilt nicht nur für die Gestaltung des Trainings (der 90% Ansatz hat bei mir beim Laufen auch funktioniert), sondern auch für die Wahl der Sportart. Will man beim Radfahren besser werden, dann sollte man mit dem Rad fahren.

Dem Herz-Kreislauf System ist es aber egal wie man es belastet. Daher ist Laufen in jedem Fall besser als nichts zu tun. Hat man nicht ausreichend Zeit zum Radeln, ist das Wetter zu schlecht oder ist man irgendwo auf Reisen, wo das Rad nicht mit kann, dann ist Laufen eine praktische Alternative. Ich schiebe gerne an Erholungstagen eine lockere Laufeinheit ein. Auch hier ist gemütliches Traben besser als auf der Couch zu hocken. Mit geeigneter Streckenwahl sind auch Intervalle an oder über der Schwelle für ungeübte Läufer machbar.

Während das Laufen im Flachen recht anstrengend für Bänder und Muskeln ist und man sich erst daran gewöhnen muss, v.a. wenn man – wie die meisten Radfahrer – einen gut trainierten Motor (Herz-Kreislauf System) hat, aber ein schwaches Fahrgestell (Bänder/Muskeln), dann ist bergauf laufen eine gute Alternative. Dabei arbeitet man vorwiegend gegen die Schwerkraft, hat eine ähnliche muskuläre Belastung wie beim Radfahren und es ist ein Leichtes den Motor voll auf Touren zu bringen ohne sich dabei zu verletzen. Kann man auch im Winter machen, sich auf Skipisten (mit oder ohne Ski) hocharbeiten und dabei viele Minuten Belastung an der Schwelle sammeln. In Städten kann man Sprints oder HIT Einheiten auf Hügeln, steilen Strassen oder Stiegen versuchen.

Apropos anstrengend: Schnelles Laufen ist viel fordernder und anstrengender als schnelles Radfahren. D.h. man muss deutlich längere Erholungsphasen einplanen. Ich war im heuer Mai nach dem Halbmarathon im März und meinen zwei Duathlons im April samt dem dazugehörigen Lauftraining ziemlich streichfähig. Während kurze Spitzenbelastungen (z.B. Zeitfahren) kein Problem waren, war vor allem die Erholungszeit deutlich länger als in den Jahren davor (mit reinem Radfahrtraining). Erst einen Monat später, im Juni, war ich aus dem Loch heraussen und fühlte mich wieder normal.

Schlagwort schnell: Ähnlich wie beim Radfahren die relative VO2max und die daraus abgeleitete Schwellenleistung (FTP) (siehe „Was geht noch?“) über die Leistungsfähigkeit entscheidet, so ist dies auch beim Laufen der entscheidende Faktor. Dieser Beitrag bzw. die darin angeführte Tabelle zeigt einem recht gut das Potential auf, das man als Läufer hat. Meine Vo2max liegt bei ~70 und ich bin heuer 10k in ~34:30 gelaufen. Passt also recht gut. Mein absolutes Leistungsniveau bei Rennen ist dann ähnlich: Bin ich als Radfahrer mit meinen knapp 5W/kg Schwellenleistung ein guter Amateurfahrer, so bin ich beim Laufen auch ein guter Amateurläufer. Einige sind schneller und viele sind langsamer als ich 😉

vo2max-runningspeed

Leidet das Radfahren unter dem Laufen? Jein. Bei mir hat das Laufen zu keiner Verschlechterung der Leistungswerte am Rad geführt, aber sehr wohl zu einem Aufbau an Muskelmasse (= mehr Gewicht = schlecht wenn man mit dem Rad bergauf fährt) und zu einer Reduktion spezifischer Trainingseinheiten, weil man auf ein intensives Radtraining nicht einfach ein intensives Lauftraining drauf packen kann. Nach dem Absetzen des Lauftrainings Ende April ist das Zusatzgewicht (ca. 1-1,5kg) erhalten geblieben und hat mich durch die gesamte Saison begleitet und dann im August/September auch dazu beigetragen, dass ich meine bisherigen Wattbestleistungen überbieten konnte. Bergauf war ich zwar immer noch langsamer als früher, aber am Zeitfahrer im Flachen so schnell wie noch nie. Gefühlt haben die zusätzlichen Laufmuskeln (Äussere Oberschenkelmuskulatur) vor allem die, bei intensiver Belastung ermüdenden, Radmuskeln (Gerade Oberschenkelmuskulatur) unterstützt. Das zeigt auch die Auswertung meiner Garmin Vector Pedale, die deutlich belegt, dass ich mit steigender Ermüdung immer O-beiniger werde (und dadurch die äußere Oberschenkelmuskulatur stärker belaste).

Nach den Erfolgen des heurigen Jahres (u.a. Österr. Meister Duathlon Masters, Österr. Meister EZF Amateure), kann ich nicht behaupten, dass das verstärkte Laufen ein Fehler gewesen wäre. Ich möchte daher auch weiter regelmässig laufen gehen (und irgendwann einmal noch einen drauf setzen!). Allerdings hatte ich heuer auch ziemliche Probleme mit meinen Waden und die schmerzen bei mir vor allem beim Laufen. Diese Schmerzen möchte ich unbedingt in den Griff bekommen – falls dies überhaupt geht. Meine Knöchel sind leider durch mehrfache Bänderrisse in der Bewegung eingeschränkt – und erst dann wird beim Laufen wieder richtig Gas gegeben.

Garmin Vector – Probleme mit Firmware 3.50

Ich habe dem Thema schon einen eigenen Beitrag gewidmet (Linkes Pedal fehlt), aber mit den darin genannten Tipps ist es leider nicht getan, auch mit einem Upgrade auf die v2 Pods nicht. Es kommt nach wie vor sehr leicht zu Problemen in der Kommunikation der Pedale untereinander bzw. mit einem gepairten Radcomputer, die sich nur durch das Entfernen der Batterien, Neuinitialisierung und Kalibrierung rasch beheben lassen. Ich war bei einem Rennen am vergangenen Wochenende davon betroffen (Edge500), als auch gestern bei Tests auf der Rolle (Forerunner 920XT).

Nun hat erstmals Garmin ein offizielles Statement zu den Problemen abgegeben. Angeblich seien sie nun isoliert und sollen mit einem Firmwareupdate behoben werden. Dazu soll es vorab auch eine Betaversion geben.

Bis dahin wird empfohlen zuerst die Pedale aufzuwecken und erst danach den Radcomputer einzuschalten!

Update (18.9.2015): Mittlerweile ist die Beta Firmware 3.62 verfügbar, die die Probleme beheben soll. Was sonst noch neu ist wird nicht genannt. Das Update kann nur mit einem Edge1000, einer FR 920xt oder Fenix3 eingespielt werden. Anleitung gibt es hier. Bei mir hat das Update und eine erste Testausfahrt ohne Probleme geklappt. Achtung: Man kann nicht Downgraden! Da die Firmware in den Pods gespeichert ist, kann man aber relativ risikolos updaten sofern man ein zweites Paar Pods herumliegen hat (z.B. die alten Pods nach einem Upgrade von Vector1 auf 2). Wer das Risiko nicht eingehen will wartet besser noch etwas zu.

Update (5.11.2015): Garmin hat nun die Firmware Version 3.81 veröffentlicht. Diese sollte die Probleme in den meisten Fällen beheben. Da es sich um eine offizielle Firmwareversion handelt, kann diese auch wie alle offiziellen Updates direkt mit einem kompatiblen Radcomputer (z.B. Edge 1000) oder mit der Vector Updater Software (Mac&PC) eingespielt werden.

Pioneer PM – Tipps & FAQ

Nach mehreren Monaten mit dem Pioneer Leistungsmesser (aka „Tritt-Überwachungssensor“) habe ich einiges an Erfahrungen gesammelt. Anbei eine Liste mit den wichtigsten Dingen, die man als (zukünftiger) Besitzer dieses Powermeters wissen sollte. Die Liste werde ich bei Bedarf erweitern.

Kalibrierung & Temperaturkompensation

Der Pioneer PM hat keinen automatischen Nullpunktabgleich, daher muss dies von Zeit zu Zeit manuell erledigt werden. Laut Pioneer sollte man dies bei Abweichungen größer +/- 6 N machen. Zur Kalibrierung ruft man die ZeroCal App auf dem Pioneer Radcomputer auf oder wählt auf einer ANT+ Headunit (z.B. Garmin Edge) die Funktion „Kalibrieren“.

Die ZeroCal App zeigt dabei detailliert die Abweichung vom Nullpunkt sowohl für die tangential als auch radial angeordneten Sensoren für das linke und rechte Pedal an. Ausserdem wird die Batteriespannung angezeigt.

Während die Kalibrierung durchgeführt wird, darf keine Last auf den Pedalen sein. D.h. dies muss in Ruhe erfolgen und mit den Beinen am Boden und nicht auf den Pedalen. Am genauesten ist es, wenn man die Pedale gesondert links und rechts kalibriert, wobei jeweils das Pedal auf der Seite auf der gerade kalibriert wird am tiefsten Punkt (6 Uhr Position) sein sollte. Nach der Kalibrierung sollten die angezeigten Werte für tangentiale und radiale Kraft möglichst nah an 0 sein.

Führt man die Kalibrierung im ANT+ Modus aus, so kann man nur beide Pedale auf einmal kalibrieren. Dazu stellt man die Kurbel ebenfalls senkrecht (6 bzw. 12 Uhr Position) und führt die Kalibrierung durch. Als Ergebnis wird in diesem Fall allerdings kein Kalibrierungswert retour geliefert, sondern immer die gleiche Zahl (vermutlich eine Geräte ID).

Jedenfalls aufpassen muss man darauf, dass die Kurbel bei der Kalibrierung bereits an die Umgebungstemperatur angepasst ist. Das benötigt ca. 20 Minuten und ist deshalb wichtig, weil jeder Kalibrierungswert gemeinsam mit der gemessenen Temperatur in einer internen Temperaturkompensationstabelle  abgespeichert wird. Weicht die aktuelle Temperatur während einer Ausfahrt um mehr als 4 Grad von der Temperatur zu der zuletzt eine Kalibrierung durchgeführt wurde ab, verwendet der Leistungsmesser die interne Tabelle um eine Temperaturkompensation durchzuführen.

Man sollte daher nicht direkt beim Start einer Trainingseinheit eine Kalibrierung durchführen sondern erst nach ca. 20min. Ist die Temperaturkompensationstabelle einmal mit einigen Referenzpunkten befüllt, kann man sich die Kalibrierung auch sparen und braucht nicht bei jeder Ausfahrt stehen bleiben um zu kalibrieren.

Die Temperaturkompensationstabelle kann man wieder leeren indem man mit einer Pioneer Headunit die ZeroCal App startet, nach unten swiped und „Initialisieren“ auswählt. Ausserdem wird bei den hochgeladenen Workouts auf Cyclosphere angezeigt wie die Qualität der Kompensationstabelle ist. Die in der ZeroCal App angezeigten Abweichungen vom Nullpunkt beinhalten bereits die Berechnung der Temperaturkompensation.

Powermetermodus 

Der Pioneer Leistungsmesser kann sowohl im privaten ANT Modus („Pedaling Monitor“ Modus) mit einem Pioneer Radcomputer als auch im ANT+ Modus („Dual Power“ oder „Single Power“ Modus auch „Powermeter“ Modus genannt) mit jedem ANT+ fähigen Radcomputer verwendet werden.

Im Auslieferungszustand ist der private ANT Modus aktiv. Pioneer hat angekündigt dies ab September 2015 zu ändern.

Um den Modus zu wechseln verwendet man entweder einen Pioneer Radcomputer und geht anhand dieser Anleitung vor oder man öffnet mit einem Inbus Schlüssel das Gehäuse des rechten Sensors, weckt den Leistungsmesser durch Rückwärtskurbeln auf und drückt den kleinen Knopf im Sensor für 2 Sekunden. Danach leuchten die LEDs für 10 Sekunden orange (Powermeter Modus) oder grün (Pedaling Monitor Modus). Drückt man den Knopf kürzer als 2 Sekunden, wird durch das Leuchten der LEDs angezeigt welcher Modus gerade aktiv ist ohne diesen zu verändern.

Beim Betrieb im Powermeter Modus ist die Verzögerung vom Anlegen einer Kraft bis zur Ausgabe auf dem Radcomputer deutlich länger als im Pedaling Monitor Mode (~2s). Ob dadurch auch Messwerte verloren gehen oder diese einfach nur später verschickt werden ist nicht bekannt.

Batterien

Leider gibt es keinerlei Warnung wenn die Batterien schwach werden. Aufmerksam auf einen Ausfall wird man erst, wenn die Wattzahlen beginnen auszufallen oder unerklärlich niedrig zu sein. Daher sollte man nach Möglichkeit Ersatzbatterien mit sich führen.

Im Pedaling Monitor Mode kann man über die ZeroCal App den Batteriezustand (in V) abfragen. Neue Batterien des Typs CR2032 liefern ca. 3,0V. Fällt die Spannung unter 2,6V sollten die Batterien getauscht werden.

Ich habe gute Erfahrungen mit den Renata CR2032 Zellen gemacht und verwende ausschließlich Batterien dieses Typs.

Linksammlung

Support Seite von Pioneer
Cyclo-Sphere Portal
Test von DC Rainmaker
Powermeter24.com Online Händler